Museumsbesuch – das Bauhaus Archiv in Berlin

Das Berliner Bauhaus-Archiv präsentiert als Museum die Arbeit und das Wirken des Bauhauses, der berühmten Dessauer Hochschule für Gestaltung. Es wurde vom ersten Direktor des Bauhauses, Walter Gropius, entworfen, steht seit 1997 unter Denkmalschutz und und beherbergt die größte Sammlung der Welt zu diesem Thema.

Die Bauhaus-Hochschule existierte nur von 1919 bis 1933, seine Ideen prägen jedoch bis heute Kunst, Architektur und Design in vielfältiger Weise.

Bauhaus Archiv - Eingang. Copyright 2017 Faber.Photography

Bauhaus Archiv – Eingang. Copyright 2017 Faber.Photography

Ein Genuss für Designer und Fotografen

Wer sich für Design und Architektur in Berlin interessiert, sollte das Bauhaus-Archiv besuchen. Die ungewöhnliche Bauform des Museums mit seinen klaren Linien und streng funktionalen Formen, ein Prinzip des Bauhauses, ist für Fotografen ein Genuss. Auch die Ausstellung selbst, lohnt sich für alle mit Interesse an Fotografie und Gestaltung. Ein Besuch inspiriert, hilft den Blick auf Formen, Linien und Strukturen zu schärfen und macht Lust, selbst gestalterisch aktiv zu werden.

Architektur fotografieren

Ich besuchte das Bauhaus-Archiv mit dem Ziel, das Gebäude von außen zu fotografieren. Leider war es ein trüber, nebeliger Tag ohne nennenswertes Sonnenlicht. Ursprünglich war mein Plan, kontrastreiche Bilder von blauem Himmel und weißen Wänden zu fotografieren. Dazu werde ich an einem anderen Tag zurückkommen.

Da an diesem Tag ohnehin alles grau in grau war, beschloss ich, die meisten Bilder in schwarz-weiß umzuwandeln oder zumindest die Farben zu entsättigen. Ich legte das Hauptaugenmerk beim Fotografieren auf Linien und Formen. In der Nachbearbeitung versuchte ich, dies zu betonen, indem ich stürzende und schiefe Linien begradigte. Mein Ziel war, dass die Vertikalen vertikal und die Horizontalen horizontal aussehen, so weit wie möglich ohne dabei künstlich zu wirken. Was schwierig war, da die meisten Fotos von einem tieferen Standpunkt aufgenommen wurden, was jede Menge stürzende Linien erzeugte. Ein typisches Problem von Architekturaufnahmen. Dies kann zwar gezielt für die Gestaltung genutzt werden, hätte aus meiner Sicht beim Bauhaus-Archiv nicht gepasst.

Meine Lightroom-Bearbeitung folgte einer simplen Routine, die für alle Bilder ähnlich war. Ich habe die Belichtung und den Kontrastregler kaum oder gar nicht benutzt. Die Lichter und die Schatten öffnete ich und hob den Mikrokontrast leicht an. Ich schärfte die Bilder mit einer Schärfung im mittleren Bereich, wobei ich Details und Radius niedrig hielt und eine Maske von etwa 50 Prozent benutzte. Dies erhält die Gesamtschärfe von Ecken und Linien, vermeidet aber unnötige Details auf den Oberflächen und in den Strukturen.

Der Kontrast wurde vor allem durch die Gradationskurve und die Umwandlung der Farben in schwarz-weiß hinzugefügt. Mein Hauptaugenmerk lag auf der Erzeugung eines hohen Kontrastumfangs mit hellen Grautönen, aber ohne Ausbrechen der Lichter.

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Nachdem ich mit dem Hauptteil der Bearbeitung fertig war, kehrte ich zu den Lichtern und Schatten zurück, um dort einige kleinere Anpassungen vorzunehmen. Ich habe dafür gesorgt, dass die weißen Wände nie ganz weiß sind. Es sollte immer etwas Textur sichtbar sein. Beim Himmel achtete ich darauf, dass er auswäscht, um den den abstrakten Charakter der Fotos zu betonen. Ich wollte keine sichtbaren Wolkenstrukturen hervorheben, da diese nur von der Architektur ablenken. Um die Bilder etwas sauberer aussehen zu lassen, habe ich den Dunst Enfernen-Regler minimal nach rechts gezogen.

Bauhaus Archiv - Brücke zum Eingang. Copyright 2017 Faber.Photography

Bauhaus Archiv – Brücke zum Eingang. Copyright 2017 Faber.Photography

Blau, Grün und jede Menge Grau

Teile des Daches sind mit einem grünlichen Metall bedeckt. Dieses Grün und das Blau in den Fenstern, hervorgerufen durch Lichtreflexionen, waren die einzigen auffälligen Farben an diesem trüben Tag. Um ihre Sichtbarkeit zu verbessern, habe ich alle Farbtöne außer Grün und Blau in Lightroom entsättigt. So entstand ein schöner Kontrast zu den verschiedenen Grautönen, die die Bilder dominieren.

Bauhaus Archiv - Blaue Fenster. Copyright 2017 Faber.Photography

Bauhaus Archiv – Blaue Fenster. Copyright 2017 Faber.Photography

Bauhaus Archiv - Grünes Dach. Copyright 2017 Faber.Photography

Bauhaus Archiv – Grünes Dach. Copyright 2017 Faber.Photography

Ordnung und das Gewöhnliche

Möglicherweise habe ich an diesem Tag zu sehr nach Strukturen und Linien gesucht, aber der Kanaldeckel unter dem Betonweg zum Eingang an der Rückseite des Gebäudes hat mich fasziniert. Ich würde gerne glauben, dass der Architekt die Anordnung der beiden Säulen und der Kanalabdeckung genau so geplant hatte, um auch hier ästhetische Ordnung im Gewöhnlichen zu schaffen.

Bauhaus Archiv - Kanaldeckel. Copyright 2017 Faber.Photography

Bauhaus Archiv – Kanaldeckel. Copyright 2017 Faber.Photography

Die Atmosphäre abbilden

Das Bauhaus-Archiv liegt am Landwehrkanal, wo die Tristesse dieses Tages besonders sichtbar wurde und eine düstere und fast schon deprimierende Atmosphäre erzeugte. Ich habe versucht, dies im folgenden Bild festzuhalten.

Zunächst Kontraste und Details hinzufügen

Als ersten Schritt, um die trostlose Atmosphäre zu erzeugen, wie ich sie an diesem Tag erlebt hatte, verwandelte ich das Foto in Lightroom in ein Schwarz-Weiß-Bild. Was nur ein Klick ist. Dann öffnete ich die Lichter und Schatten etwas, weniger als normalerweise. Ich habe den Kontrast und die Details leicht angehoben. Anschließend habe ich das Bild etwas geschärft und ein wenig mehr Kontrast mit der Gradationskurve hinzugefügt. Dadurch erhält das Bild etwas mehr Kontrast und Details, als zunächst nötig waren, um diesen nebligen Tag wiederherzustellen. Jedoch bekommt es auch etwas mehr Biss, zumindest vorläufig.

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Dann weniger Kontrast und mehr Dunst

Den Kontrast habe ich anschließend wieder abgeschwächt. Nicht global, sondern nur in einigen Bereichen. Zuerst dunkelte ich mit dem Verlaufsfilter den Vordergrund und die Seiten ab. Mit dem Pinsel fügte ich oben in der Mitte Dunst hinzu. Dies geht leicht, indem der Dunst Entfernen-Regler nach links (Minus) gezogen wird. In diesem Bereich wird dann auch der Kontrast abgemildert. Der Filter fügt zudem etwas Licht hinzu, wenn er nach links gezogen wird, daher habe ich es dort anschließend leicht abgedunkelt, um dies auszugleichen. Schließlich habe ich mit dem Pinsel je nach Bedarf einige Stellen etwas abgewedelt oder aufgehellt.

Darum besser im RAW-Format fotografieren

Das Foto im RAW-Format sah zunächst weniger bedrückend aus, was normal ist, da unbehandelte RAW-Dateien immer neutraler wirken, als die Aufnahmesituation, und dadurch die Atmosphäre nicht so wiedergeben, wie wir die ursprüngliche Szene in Erinnerung haben.

Wenn ich RAW aufnehme, ist es nicht mein Ziel, das perfekte Foto direkt in der Kamera zu erstellen, sondern so viele Informationen wie möglich zu sammeln. Das heißt, es ist mein Ziel, Details, Farben und Dynamikumfang umfangreichst festzuhalten. Denn je mehr Informationen im Foto vorliegen, desto eher wird es möglich, die Szene in der Postproduktion zum Leben zu erwecken. Hierfür sind RAW-Dateien weitaus besser geeignet als JPGs.

Bauhaus Archiv - Nebel am Landwehrkanal. Copyright 2017 Faber.Photography

Bauhaus Archiv – Nebel am Landwehrkanal. Copyright 2017 Faber.Photography

Möglichst leicht unterwegs

Alle Bilder sind mit der Fuji X-T10 und entweder mit dem 27mm F2.8 oder dem 35mm F2 gemacht, was ein kleines aber leistungsfähiges Kit ergibt, für das ich nicht einmal eine Kameratasche brauche. Die Kamera mit den 27er passt bequem in eine Jackentasche und das winzige 35er in eine andere. Beim nächsten Mal würde ich zusätzlich eine etwas längere Brennweite mitnehmen, um mehr Details hervorzuheben oder Strukturen zu komprimieren.

Während wir dazu neigen, Architektur meist mit Weitwinkelobjektiven zu fotografieren, bin ich der Meinung, dass oftmals ein leichtes Teleobjektiv die bessere Wahl ist. Mit längeren Brennweiten lassen sich bei Architekturaufnahmen besondere Bildwirkungen erzeugen, indem Formen, Linien sowie Strukturen verdichtet werden. Ein weiterer Grund, um den Berliner Baushaus-Archiv einen Foto-Besuch abzustatten.


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