Architektur-Fotografie mit dem Helios 44 2/58

Das Helios 44 2/58 hat mittlerweile große Berühmtheit erlangt. Vor allem wegen seiner charakteristischen Unschärfe. Dieses Objektiv aus Sowjetzeiten war früher ein klassisches Standardobjektiv und ein absolutes Massenprodukt. Heute erlebt es seinen zweiten Frühling, adaptiert an spiegellosen Systemkameras. Ich habe mich damit an der Architekturfotografie versucht.

Die meisten Fotografen werden das Helios 44 2/58 für Porträts und Nahaufnahmen verwenden, wegen des berühmten Swirly-Bokehs. Ich nicht. Es war zufällig in meiner Tasche, als ich die Gegend um den Berliner Bahnhof Zoo erkundete. Ich wollte dort Architektur fotografieren, vor allem mit dem dem Rokinon 12mm F2. Als Super-Weitwinkel ist es ideal dafür. Doch auch eine längere Brennweite hat ihre Reize für die Architekturfotografie. Also griff ich zum Helios. Später stellte ich dann fest, dass ich fast ausschließlich damit fotografiert hatte.

Fenster - Architekturfotografie mit dem Helios 44 und der Fuji X-T2 - Copyright 2017 Faber.photography

Fenster – Architekturfotografie mit dem Helios 44 und der Fuji X-T2 – Copyright 2017 Faber.photography

Mein Version des Helios 44 2/58

Ich habe die 44-2 Ausführung, eine der ältesten, die – wie ich gelesen habe – ein besonderes Bokeh hat. Ein Nachteil dieser Linse ist das Fehlen jeglicher Beschichtung. Daher wirken Bilder, insbesondere bei Aufnahmen gegen das Licht oder bei weit geöffneter Blende, etwas flau. Eine Sonnenblende ist auf jeden Fall zu empfehlen. Diese gibt es für kleines Geld.

Das Objektiv ist bei offener Blende bereits recht scharf und wird durch Abblenden noch besser. Ich habe meins mit einer antiken Revueflex für ein paar Euro auf dem Flohmarkt erstanden. Es ist ein altes Objektiv, dem man die Jahre ansieht. Trotz aller Schrammen, macht es großartige Bilder wie ich finde. Ich habe wahrscheinlich Glück gehabt, dass die Linsen meines Exemplars die Jahre relativ unbeschadet überstanden haben.

Architekturfotografie mit dem Helios 44-2 und der Fuji X-T2

An der Fuji X-T2 wird es zu einem 87-mm-Objektiv, einem moderaten Teleobjektiv. Diese Brennweite ist großartig, um Details zu betonen und Szenerien zu komprimieren. Besonders Architektur profitiert davon, wenn Häuser und Strukturen etwas dichter zusammenrücken. Das Fokussieren mit der X-T2 ist einfach. Vor allem wegen des großen und hellen Suchers und der Möglichkeit, während des Fokussierens ins Bild zu zoomen. Ich glaube, dass dies mehr hilft, als die Fokus-Peaking- und Split-Screen-Funktionen, die ebenfalls nützlich sind.

Häuserwand mit Grün und Gelb - Architekturfotografie mit dem Helios 44 und der Fuji X-T2 - Copyright 2017 Faber.Photography

Häuserwand mit Grün und Gelb – Architekturfotografie mit dem Helios 44 und der Fuji X-T2 – Copyright 2017 Faber.Photography

Nachteile beim Fotografieren mit alten Manuellfokus-Objektiven

Ein Manko von Aufnahme mit Altglas sind die fehlenden Exif-Daten, da es keine Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera gibt. Man erfährt nicht, welche Brennweite geschweige denn welche Linse verwendet wurde. Sie können die Brennweite im Kameramenü einstellen, was ich normalerweise auch mache. Aber wenn Sie verschiedene Vintage-Objektive mit der gleichen Brennweite verwenden, haben Sie keine Möglichkeit, zwischen diesen zu unterscheiden. Solange Sie sich erinnern, welches Objektiv Sie verwendet haben, können Sie diese Informationen später in Bridge oder Lightroom hinzufügen.

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Schwerer wiegt, dass es keine Informationen über die verwendete Blende gibt. Dies ist jedoch eine wichtige Information für die spätere Auswertung der Bilder. Die einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen, besteht darin, sich während der Aufnahme die Blendenwerte zu notieren und dies später von Hand in den Exif-Daten einzutragen. Unnötig zu sagen, dass dies sehr umständlich ist und wahrscheinlich kaum jemand macht.

Gebogene Fenster - Architekturfotografie mit dem Helios 44 und der Fuji X-T2 - Copyright 2017 Faber.photography

Gebogene Fenster – Architekturfotografie mit dem Helios 44 und der Fuji X-T2 – Copyright 2017 Faber.photography

Vorteile von Architekturaufnahmen mit Vintage-Objektiven wie dem Helios 44-2

Ich habe großen Spaß an Festbrennweiten. Obwohl ich das hervorragende Fuji-Zoom 18-55 F2.8-4 habe, ziehe ich es vor, das 35mm F2 und ein oder zwei zusätzliche Festbrennweiten dabeizuhaben, die lichtstärker sind als das Zoom. Ein lichtstarkes Objektiv mit einem schönen Bokeh gibt mir mehr Flexibilität als das 18-55. Außerdem zwingt mich eine Festbrennweite dazu bewusster zu arbeiten.

Der fehlende Autofokus spielt bei Architekturaufnahmen keine Rolle. Wenn ich Bauwerke fotografiere, geht es mir vor allem um Kompositionen. Deshalb nehme ich mir gerne Zeit und wenn ich gezwungen bin, manuell zu fokussieren, hilft mir das.

Warum nicht ein modernes Objektiv?

Fuji bietet im moderaten Telebrennweitenbereich (50 F2, 56 F1.2, 60 2.4, 90 F2, 80 2.8 Makro) viele tolle Objektive. Es gibt zudem das 50mm Zeiss Makro und das 50mm Samyang. Ich spiele seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mir das eine oder andere dieser Objektive zu gönnen. Noch habe ich mich zurückgehalten. Vor allem, weil ich mir nicht sicher bin, ob sich die Investition lohnen würde.

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Ich denke, dass diese Objektive recht günstig sind (ja, sogar die teuersten), wenn man ihre Qualität berücksichtigt. Etwas zu kaufen, nur weil es ein tolles Produkt ist, ist jedoch keine Option. Dazu bin ich bin mir einfach nicht sicher genug, wie oft sich ein moderates Teleobjektiv lohnen würde. Vielleicht reichen mir auch die alten Linsen, wie das Helios oder das hervorragende Minolta Rokkor-PF 55mm F1.7.

Finden Sie heraus, was Sie brauchen – mit Hilfe von Altglas

Also teste ich weiterhin verschiedene alte 50mm (oder 55 oder 58) Objektive, um herauszufinden, wie sehr ich diese Brennweiten benötige. Ich habe zudem alte 100mm und 135mm Objektive gekauft, um herauszufinden, ob ich damit etwas anfangen kann. Altglas bietet mir ausgezeichnete und vor allem günstige Möglichkeiten, um unterschiedliche Brennweiten zu testen und sich ein Bild davon zu machen, was sich lohnt – und was nicht. Manchmal ist dann ein Objektiv dabei, was man nicht mehr für eine modernere Variante hergeben möchte.

Zusammenfassung

Alte moderate Teleobjektive, wie das Helios 44, die exzellente Bilder erzeugen, sind auch für die Architekturfotografie geeignet. Bei richtiger Handhabung erhalten sie scharfe Aufnahmen mit viel Kontrast. Die Brennweite ermöglicht es, Details zu betonen und Landschaften und Stadtansichten zu verdichten. Zudem kann man dank des Bokeh die Lichter der Stadt in atmosphärischen Nachtaufnahmen besonders zur Geltung bringen.

tl;dr

Kein Autofokus, keine Kommunikation zwischen Kamera und Linse, zu alt. Alles egal! Das Helios 44 ist ein hervorragendes Objektiv für die Architekturfotografie. Es ist scharf, billig und hat Charakter.


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